Weinregion CARNUNTUM: über Winzer, Weine & Watschen

Quelle

Keine 20 Minuten von Wien entfernt erstreckt sich bis hinüber an die Grenze zur Slowakei das Carnuntum. „Bis ins dritte Jahrhundert hinein war das Carnuntum eine Metropole mit 80.000 Soldaten und entsprechend vielen Bewohnern, wichtiger noch als Wien! Als das römische Reich zerbrochen ist, wurden die alle vertrieben. Stattdessen sind wir aus Bayern hier eingewandert.“ Diesen Einführungskurs in die Geschichte erhalte ich von Hannes und Christoph Artner. Die beiden Winzer wissen nicht nur über das Heilige Römische Reich und diverse Bevölkerungsströme Bescheid. Hannes ist auch ein sprudelnder Quell amüsanter Geschichten aus Göttlesbrunn und Höflein. Die beiden Weinbaugemeinden, die wenige Minuten voneinander entfernt liegen, vereint eine herzliche Rivalität. Da flogen in alten Zeiten schon mal die Watschen und die Fäuste! „Das war natürlich alles im Spaß und ist leider Gottes fast vorbei“, meint der Winzer lachend. Die zahlreichen Eheschließungen zwischen den Göttlesbrunnern und den Höfleinern führt er dabei als Beweis an. Gesucht und gefunden hat auch Hannes’ Sohn Peter seine bessere Hälfte, Tina, bei den Nachbarn in Göttlesbrunn. Auf seinen „Buam“ ist Hannes Artner sichtlich stolz: „Der ist wahnsinnig akkurat im Keller. Da traust dich manchmal gar nicht durchgehen, so sauber ist das dort.“ Die Artners liefern eine breite Palette höchst respektabler Weine. Viel Herzblut lässt Hannes dabei in den Syrah fließen und damit in eine Sorte, die für die Gegend untypisch ist. Sie findet sich auch in der Top-Cuvée „Amarok“ wieder, dem Flaggschiff des Hauses.

Viele feine Worte

Für ihre Kollegen haben die Artners viele feine Worte übrig. Einer davon ist Hans Pitnauer, Vorreiter in der Region. Schon in den 1980ern machte der mit seinem Bienenfresser von sich reden, sahnte Punkte, Sterne, Preise ab. „Der Piti hat schon früh die guten Lokale beliefert. Er ist sehr konsequent, ein ,Da schau her, das bin ich῾-Typ. Den mag ich gern, mit dem komm ich super aus.“ 43 Jahrgänge hat besagter Piti mittlerweile in die Flasche gepresst – und langweilig ist ihm dabei nie geworden. Ein trockenes Frühjahr und ein feuchter Herbst, ein Sommer, der nie über 30 Grad geht, oder ein ganz heißer: Jedes Jahr sei eine neue Hausforderung, man müsse da beständig alle Register ziehen. Ein paar Jahrgänge weniger am Buckel hat Philipp Grassl, der, so Hannes Artner, glatt als Model durchgehen würde. Macht der auch guten Wein, der Philipp? „Der macht sogar Spitzenweine!“, kommt die Antwort in der Sekunde. Philipp Grassls Rote sind straff und dunkelbeerig, manche sogar ein wenig introvertiert. „Gemeinsam mit dem Johannes haben wir vermutlich die kernigsten Weine“, führt Grassl aus und liefert ein gutes Stichwort: Johannes Trapl. Der ist im zehn Kilometer entfernten Stixneusiedl zuhause. „Der Johannes lehnt sich stilistisch weit hinaus“, weiß Christoph Artner von seinem Winzer-Kollegen und Freund. Trapl empfiehlt als Einstiegswein in die Region den Rubin Carnuntum. Der spiegele das Gebiet wider und die Sorte, die hier am meisten Platz findet: den Zweigelt. „Das ist unser klassischer Gebietswein. Er zeigt, was der Winzer kann. Einen guten Winzer erkennt man ja nicht an seinem besten Wein, sondern am einfachsten.“ Blunze oder Hirschfilet: zum Rubin Carnuntum, der „ein grader Michl“ ist und keine Diva, lässt sich kulinarisch vieles kombinieren

Quelle