Blaufränkisch und seine Facetten

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Blaufränkisch hat sich hochgearbeitet. Von der hoch geschätzten regionalen Größe in Österreich, die aber außerhalb des Landes kaum jemand kannte, wird er immer mehr zu einem international anerkannten Mitspieler im Export. Grenzen setzen ihm die nur beschränkt verfügbaren Mengen – in Österreich gibt es 3.225 Hektar, etwa sieben Prozent der Gesamtrebfläche. Rund 3.000 davon findet man im Burgenland.

Blaufränkisch bleibt immer er selbst – würzig und dunkelfruchtig, mit lebendiger Säure wie aus saftigen Weichseln und mit einem stabilen Tanninrückgra ausgestattet. Je nach Terroir kehrt er aber eine andere Seite hervor. Genau diese Eigenschaft, nämlich den Charakter ihres Standortes im Weinglas nachvollziehbar zu machen, zeichnet eine große Rebsorte aus – zusätzlich zu ihrer Fähigkeit, gut zu reifen. Das Leithagebirge und das Südburgenland mit ihren auf Blaufränkisch basierenden Herkunftsweinen Leithaberg DAC rot und Eisenberg DAC sind seit vielen Jahren stilsichere Beispiele dafür, wie Blaufränkisch das jeweilige Terroir im Geschmack widerspiegelt.

Leithaberg DAC: Das letzte Stück Alpen

Das Leithagebirge an der Westseite des Neusiedlersees ist nicht nur das östlichste Ende der Alpen mit Gneis und Glimmerschiefer als Basis, sondern als ehemalige Brandungszone eines Urmeeres auch mit Muschelkalk durchsetzt. Auch heute findet man in den Weingärten noch Steine, in denen sich die Konturen von Fossilien nachvollziehen lassen. Der verwitterte Schiefer ermöglicht es, dass sich die Wurzeln tief in den Boden hinunterarbeiten. Auf den vor allem in oberen Hanglagen eindeutig leich-teren Bodentypen mit gutem Wasserabzug zeigt Blaufränkisch sein elegantes, subtiles Wesen mit etwas kühleren, rotkirschigen Fruchtaromen und einer ausgeprägten salzigen Mineralität. Besonders schön nachzuvollziehen ist dies in den vielen roten Leithaberg-DAC-Weinen. Diese Weine sind die herkunftstypischsten dieser Gegend und basieren in ihrer roten Version auf Blaufränkisch, gerade weil dieser hier an den Hängen des letzten Alpenausläufers eine eigenständige Qualität erreicht und die am häufigsten ausgepflanzte Rebsorte ist. Von Beginn an sollte Leithaberg DAC in der Reserve-Klasse mitspielen. Daher wurde immer besonderer Wert auf eine strenge Prüfung der DAC-Qualität im Rahmen der amtlichen Prüfnummer-Vergabe gelegt. Die Prüfer werden speziell auf den Leithaberg-Stil hin geschult und müssen sich mit fünf zu eins Stimmen einig sein, dass hier der typische Regionalstil getroffen wurde.

Eisenberg DAC: Pannonien mit einem Touch Adria

Im Süden des Burgenlandes befindet sich das Eisenberg-DAC-Gebiet. Der „Dornröschenschlaf“, den man diesem Gebiet bis in die frühen 1990er gerne nachgesagt hat, ist längst beendet und einer äußerst dynamischen Entwicklung gewichen, die vor allem von der neuen Generation getragen wird. Diese jungen Winzer konnten sich neben den wenigen „Grandseigneurs“ etablieren und belegen mit prachtvoller Konstanz, wie eigenständig der Blaufränkische hier werden kann.

Wie in einem Amphitheater öffnen sich die Ausläufer der Günser Berge in Richtung Süden. Deren Hügelkuppen nennen sich Königsberg, Hannerberg, Csaterberg und Eisenberg und weisen geologisch einen reichhaltigen Bodenmix aus: Eisenhältigen Lehm findet man am etwa 400 Meter hohen Eisenberg, dem historischen Namensgeber der Region, dazu kommen Grünschiefer und Kalk wie auch auf dem Csaterberg, der als zusätzliche Besonderheit Süßwasseropale aufweisen kann. Dolomit sowie Kalkund Tonschiefer findet man an den Hangflanken des Hannerbergs und Königsbergs. Tiefgründiger toniger Lehm an den Hangfüßen, dazu die pannonische Wärme mit einem Touch Adria, der durch die Südströmung hereinkommt, ergeben die Basis für einen rotfruchtigeren, sehnig-kraftvollen Typ Blaufränkisch mit feinwürziger, metallischer Mineralität.

In drei von insgesamt vier burgenländischen DACGebieten entschied man sich, diesen Herkunftscharakter speziell in Rot über Blaufränkisch auszudrücken. Nicht nur das macht diese Sorte zu etwas Besonderem.

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