Maximilian Riedel: Hansdampf in allen Gassen

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Kein anderer Name wird in Österreich so sehr mit stilvollem Weingenuss assoziiert wie der Name Riedel. Wir haben bei Maximilian Riedel auf den Busch geklopft.
Von Angi Huber*

Er ist 38, verheiratet und Jungfrau im Sternzeichen: Maximilian Riedel. Jawohl. Der Riedel und damit Spross jener Familie, die schon seit elf Generationen Gläser fertigt. Mit 23 Jahren zieht Maximilian Riedel in die USA, wird zum „Vice President“ von Riedel Crystal of America, zwei Jahre später erfolgt dann die ersatzlose Streichung des „Vice“. Während seiner Zeit in Übersee macht er Nordamerika zum wichtigsten Exportmarkt des Unternehmens. 2013 landet er wieder in Kufstein und übernimmt mit Riedel ein Unternehmen, das 1.200 Mitarbeiter zählt und als Synonym für eine stilvolle Glaskultur steht. „Dass Sie das so sagen, freut mich, das war auch immer Ziel meiner Karriere“, erklärt der Tiroler im Interview. Priorität haben bei Riedel Gläser, die praktisch sind und bei der die Form der Funktion folgt. Das Aussehen sei – so Riedel – nicht ausschlaggebend.

Die Frage, ob der Wein rot ist oder weiß, das Glas folglich einen dicken Bauch braucht oder nicht, greift bei Riedel viel zu kurz. Hier vergönnt man jeder Traube ein eigenes Glas. Jetzt mal ehrlich: Ist das nötig? Fühlt sich ein Chardonnay nicht auch dort wohl, wo’s dem Riesling passt? „Sie wären überrascht, wie groß die Unterschiede im Geschmack sind.“ Die Textur des Weines verändere sich – doziert der Mann aus den Bergen – aufgrund des Fließverhaltens vom Glas auf den Mund und weiter über den Gaumen. Das Ausschlaggebende sei dabei der Mundranddurchmesser. „Wir entwickeln, und das macht uns einzigartig, unsere Gläser über die Sinne. Wir probieren, tasten, fühlen, analysieren tiefgehend.“

Prall gefüllt

Maximilian Riedel ist – wie er selber sagt – ein Hansdampf in allen Gassen, sein Terminkalender ist prall gefüllt. Man könne ja schließlich nur mitreden, wenn man etwas selber erlebt und erfahren habe, befindet der 38-Jährige, für den die Profession längst zur Passion geworden ist. Bei seinem Vater Georg Riedel läuft dieselbe Platte: „Der ist seit zwei Jahren in Pension. Was tut er? Sitzt vor seinem Laptop und entwickelt neue Gläser.“ Freilich weiß der Mann, für den Disziplin an erster Stelle steht, auch um die Gefahren seines Jobs. Um vom Burnout auch weiterhin nicht gestreift zu werden, legt Riedel bewusst eine Distanz ein zwischen der Arbeit und seinem Zuhause. Die zeigt sich auch in Kilometern: Eine Stunde hin und wieder retour geben ihm genügend Zeit, den Gang zurückzuschalten.

Ein Musterschüler war Maximilian Riedel keiner. „Autoritäre Persönlichkeiten hatte ich nie auf meinem Radar. Ich habe mich vor der Schule gedrückt und entsprechend darunter gelitten. Empfehlen würde ich das keinem.“ Schon mit zwölf lernt er das Handwerk von seinem Vater, steigt mit 18 ins Unternehmen ein. Freilich hat der junge Mann, der in der Zeit eines Niki Lauda und eines Gerhard Berger aufwächst, auch Träume. „Die Formel 1 war spannend, gefährlich, immer im Konnex mit schönen Frauen und Champagner.“ Dass das, was da leuchtet, bloß Schein ist, wird Riedel recht rasch klar. „Ich bin von dieser Richtung zügig wieder abgekommen.“

Ziemlich praktisch

Reifen wechseln, Lampen montieren, Waschmaschinen anschließen: Maximilian Riedel macht nicht nur praktische Weingläser, der ist auch selber so veranlagt. Als Fünfjähriger baut er die Spielzeugeisenbahn, an der sein Vater verzweifelt, alleine auf – erzählt der eloquente Tiroler mit viel Faible für Wein schmunzelnd.

Das ist es auch, was den Erfolg der Riedels ausmacht. Nicht die Eisenbahn, sondern der Wein. Bei den Riedels investiert man schon seit vielen Generationen in die Traube im Glas. „Wir haben dem Wein die Treue geschworen, haben uns verpflichtet, ihn so darzustellen, wie er ist, nämlich wunderbar.“

Riedel bläst nicht nur Gläser, er bricht auch Lanzen. Für INTERSPAR zum Beispiel. „Meine Frau, sie ist Brasilianerin, kauft oft bei INTERSPAR ein. Dort gibt’s immer frische Früchte und die besten Mangos. Auch die Weinauswahl ist grandios! Nicht nur sortenspezifisch, sondern auch in puncto Preis.“ Idealerweise ist der Wein, der in Riedels Weinglas landet, reif. Er kann gerne aus dem Burgund kommen oder aus Bordeaux. Eines muss er in jedem Fall nicht sein: teuer.

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