Korken oder Drehverschluss?

QuelleBestimmt ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Mittlerweile stehen immer mehr Flaschen mit Drehverschluss in den Regalen. Während die einen die neue Verschlussvariante bereits feiern, sind die anderen immer noch skeptisch und greifen lieber zum bewährten Korkverschluss. Als Laie fragt man sich natürlich: Welche Variante ist die bessere? Wir haben bei einem echten Experten nachgefragt – Winzer und Sternegastronom Fritz Keller aus Oberbergen im Kaiserstuhl.

Winzer und Sternegastronom Fritz Keller aus Oberbergen im Kaiserstuhl

Herr Keller, Korken oder Drehverschluss, wofür schlägt Ihr Herz?

Ganz klar für den Drehverschluss. Deshalb finden Sie in unserem Weinkeller auch nur noch wenige Flaschen, die mit einem Korken verschlossen sind. Das sind die Weine, die sehr lange lagern, bevor sie getrunken werden. Im Laufe der Jahre brauchen sie u. a. einen Sauerstoffaustausch und der ist eben nur bei dem Naturmaterial Kork gegeben.

Woher kommt Ihre Vorliebe für den Drehverschluss?

Ich sehe einfach die vielen Vorteile, die der Drehverschluss bietet, gerade auch für den Weintrinker. So kann ich eine Flasche mit Schraubverschluss auch problemlos öffnen, wenn ich gerade keinen Korkenzieher zur Hand habe. Und wenn die Flasche nicht direkt leer gemacht wird, ist sie auch schnell wieder zugeschraubt und kann am nächsten Tag weitergetrunken werden. Beides ist mit einem Korkverschluss nicht so leicht möglich. Für mich als Winzer zählt natürlich auch noch die geschmackliche Qualität, die bei einem hochwertigen Drehverschluss absolut gegeben ist.

Schmecke ich als Laie überhaupt einen Unterschied?

Wenn sie einen einwandfreien Korken und einen guten Drehverschluss haben, werden Sie wahrscheinlich keinen geschmacklichen Unterschied feststellen. Allerdings kann ein Naturkorken gelegentlich fehlerhaft sein und den Wein mit einem sogenannten „Korkschmecker“ verderben.

Was sagen Sie, hat sich der Drehverschluss mittlerweile durchgesetzt?

Auf jeden Fall. Bei Weinkennern ist der Drehverschluss längst die erste Wahl und auch diejenigen, die einfach ab und an gerne einen guten Wein trinken, haben ihre anfängliche Skepsis mittlerweile überwunden.

Warum hat es der Drehverschluss denn anfangs so schwer gehabt?

Die geringe Materialqualität der ersten Modelle hat dem Drehverschluss anfangs ein schlechtes Image beschert. Mit den modernen Long-Cap und Stelvin-Verschlüssen gehört diese Sorge aber endgültig der Vergangenheit an. Sie können sich Ihren Wein also guten Gewissens aus einer Flasche mit Drehverschluss schmecken lassen! Das Ritual des Entkorkens der Flasche mit dem Korkenzieher entfällt hier natürlich.

Quelle